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Korruption – bei uns doch nicht!? Zur Politischen Psychologie von Vorteilsnahme im Alltag von Wirtschaft, Gesellschaft und Politik

Am 3.-4. April 2009 findet zu diesem Thema an der Uni Hamburg eine Tagung der Sektion Politische Psychologie (BDP) zusammen mit dem Arbeitsbereich Sozialpsychologie statt. Die Teilnahme ist kostenlos, die Platzzahl aber begrenzt. Um Anmeldung wird gebeten an Dipl.-Psych. Stefanie Thiel (stephaniethiel13@yahoo.de).

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Immer mehr Unternehmen setzen Anti-Korruptions-Beauftragte ein, testen Bewerber auf ‚Korruptionsanfälligkeit’, treten Transparency International bei und versprechen Verantwortlichkeit, Transparenz und Corporate Responsibility. Mit Hintergrund und Nachhaltigkeit dieser Entwicklungen befasst sich eine Fachtagung der Sektion Politische Psychologie im Berufsverband Deutscher Psychologen (BDP)in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsbereich Sozialpsychologie an der Uni Hamburg. Denn das Thema bleibt brisant: Noch immer werden ständig neue Dimensionen von Korruption enthüllt. Experten sprechen von der Spitze des Eisbergs, weil die Strafverfolgungsorgane für Wirtschaftskriminalität nicht üppig ausgestattet sind.

Zusätzliche Brisanz gewinnt Korruption vor dem Hintergrund dramatisch angewachsener sozialer Ungleichheit, verbunden mit strenger finanzieller Kontrolle der von staatlichen Leistungen abhängigen Menschen: Die Kleinen müssen die Taschen ausleeren und werden transparent gemacht, die Großen fahren ungehindert Geldkoffer über die Grenze? Korruption bedroht somit das Vertrauen in Rechtsstaatlichkeit und gesellschaftliche Verfahrensgerechtigkeit und den sozialen Frieden.

Möglicherweise bietet aber nun die weltweit anstehende Umgestaltung von Markt- und Wirtschaftskontrollen auch eine Chance, zugleich neue Regeln gegen Korruption zu verankern. Die Tagung befasst sich vor diesem Hintergrund mit Erkenntnisstand, Ursachen, Folgen und Bekämpfung.

Beiträge: Kai Bussmann: Kulturelle Wahrnehmung und Bekämpfung von Korruption – Ergebnisse aus dem Global Economic Crime Survey. – Elmar Koenen: Die Öffentlichkeit der ‚brauchbaren Illegalität’. – Peter Giesers : Die hohe Kunst der Ambiguität und die Angst vor der Integration. Zur intrapsychischen und interpersonellen Psychodynamik der Korruption. – Petia Genkova: Motive fairen und nichtsolidarischen Verhaltens. – Carsten Stark: Anfütterungsstrukturen. Strategische Interaktionsbeziehungen zur Schaffung von korruptiven Motivationsstrukturen. – Jürgen Grieger: Korruption in Organisationen. – Heinrich Bücker-Gärtner. Korruptionsprävention in Behörden. – Tanja Rabl: Was bewegt Entscheidungsträger in Unternehmen dazu, korrupt zu handeln? – Stephanie Thiel: Korruptionsbekämpfung im Spannungsfeld von ergebnisorientierter Leistungssteuerung und Moralisierungstendenzen. – Isabel Kusche: Die Korruption des politischen Systems. Generalisierte Erwartungsstrukturen und Performanz der Politik. – Walter Fuchs / Andrea Kretschmann: Korruption als Staatskriminalität – überlappende Forschungsfelder zwischen Normativität und Analyse. – Antonia Steßl / Peter Graeff: Wie kann man effizientes Compliance sicherstellen? Theoretische Vorstellungen und praktische Implikationen. – Oliver Pragal: Korruption aus der Sicht eines Ombudsmanns und Strafverteidigers. – Sha Li: Experimentelle Korruptionsforschung: Stand und Perspektiven. – Sebastian Wolf: Die internationale Antikorruptionspolitik der Europäischen Union zwischen Wertevermittlung und Eigeninteressen.